Die Zeit vergeht so schnell. Es ist schon April und in nich allzu langer Zeit beginnt das Studium. Irgendwie finde ich das gar nicht toll,denn das ist mit so viel Organisationskram und Umstellungen verbunden. Habe ich gar keine Luste drauf, vor allem wenn ich dann niemanden kenne. Mir gefällt hier zu Hause eigentlich sehr gut, auch wenn ich diese Stadt schon lieber verlassen würde.
Ach ja wie das wohl wird in ein paar Monaten....erstmal muss ich mich ja bewerben und mal schauen wo ich überhaupt genommen werde. Mittlerweile weiß ich gar nicht mehr, ob ich wirklich nach Berlin gehen würde, weil man da viel hört, dass die Studenten sehr einsam sind.
Zu dem Thema habe ich auch neulich einen äußerst interessanten Artikel gefunden: Er heißt: Einsamkeit: Ein lebensgefühl der Hauptstadt. http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article217792/Einsamkeit_Ein_Lebensgefuehl_der_Hauptstadt.html
Sie starren mich an. Sie mustern mich. Sie suchen meine Augen. "Ich bin einsam." Das steht auf dem Schild an meiner Brust. Mitten auf dem vollen Alexanderplatz hocke ich. Dort, wo jeden Tag 120 000 Berliner umsteigen. Ich gebe mich bedrückt, zerfallen. Auf meinen Rücken habe ich einen Hilfe-Schrei geschrieben: "Gebt mir Liebe". Wer wird man, wenn man nicht dazu gehört in der 3,4-Millionen-Stadt Berlin? Es ist ein Test und er beginnt mit Rike.
Rike ist 16, bildschön und wartet auf ihren Vater, direkt unter der Weltzeituhr. "Such Dir ein Hobby", ruft sie mir zu. "Gründe eine Hilfsorganisation. Dann lernst Du Menschen kennen und Nächstenliebe." Dann schweigt sie. "Ich erzähle all meinen Freundinnen von dir. Aber landen kannst Du so bei mir nicht."
Dann ein dicker Bauarbeiter mit weißem Helm und kurzer Hose. Er beobachtet mich aus einem mit Dreck verschmiertem Gesicht. "Du Weichei, Du bist ja selber schuld", mault er mich an. Sein höhnisches Lachen verhallt im Rauschen der Straßenbahn und in meiner Hilflosigkeit.
Immer mehr Passanten werden auf mich aufmerksam - wie einen Fremden, einen Aussätzigen, gaffen sie mich an. Ich fühle mich, als hätte ich einen offenen Pickel. Der Pickel ist mein Schild.
Eine junge Russin, mit weißem Haar, viel zu viel Lippenstift und in kurzem Röckchen. "Ich bin einsam", schluchze ich. - "Ich nicht", sagt sie, greift zum Handy, als wolle sie es mir beweisen. Carlo, der Bratwurstverkäufer nennt mich "armes Würstchen" und fragt so laut, dass es alle hören: "Willst Du Ketchup oder Senf?" Später flüstert er, dass auch er sich so ein Schild umbinden könnte.
Versteckte Einsamkeit.
Marco ist 20 und erst seit drei Monaten in Berlin. Mit Maxie, einer Freundin, teilt er sein Eis. Verlegen beobachten mich die beiden. Sie rutschen ganz dicht zusammen. "Er sollte sich Freunde suchen", raunt Marco, "tanzen, in die Disco gehen." Er war vorher in Chile und findet, Kontakte zu knüpfen, sei in Südamerika leichter als in Berlin. Er sagt, ich solle mich nicht so hängen lassen.
Es ist 17 Uhr, Feierabendzeit, Drängelzeit am Alex. "Bist Du ein Freak?", werde ich angeherrscht. Von einem 17-Jährigen, der glaubt, ich käme von Reality-TV.
Anders der ältere Herr mit gräulichem Karo-Jacket auf der Rolltreppe zur S-Bahn. Ich ahne, er schaut in einen Spiegel, sieht sich selbst in mir. Doch er wendet sich ab, als hätte ich ihn ertappt. Dann stürmt Evelyn auf mich zu.
"Ich bin auch einsam", flüstert mir die hagere 51-Jährige mit den rot gefärbten Haaren ins Ohr. Sie küsst mich auf die Wange, ohne dass ich mich wehren kann und hält mich ganz doll fest - für einen kurzen Moment hat Evelyn jemanden gefunden, der sie versteht.
Dann eine lange, viel zu lange Bahnfahrt mit der U 5, in der ich missachtet werde wie ein Betrunkener. Ring-Center: Ich fühle mich jetzt wirklich einsam, ich denke an Evelyn.
Ich stelle mich vor die Glastür am Eingang. Ich werde beschimpft, belächelt, ausgelacht. Ich werde gelobt und umarmt. Manche machen Fotos von mir. "Guck mal, ein Einsamer!"
Auch Stefanie fasst mir an den Arm, eine 60-Jährige im Leopardenmantel, mit Leopardenschuhen, die sie durch vier Ehen getragen haben. In ihren Armen hält sie ihren Gold-Enkel, den kleinen Leonard. "Ich kann nicht begreifen, wie man sich in die Einsamkeit zurückziehen kann", sagt sie. "Ich kann es einfach nicht..."
Ich nehme mein Handy, rufe meinen Chef an. "Wer einsam ist, der sollte es für sich behalten", sage ich ihm. Er versteht mich: "Ist gut jetzt, komm rein."
Wahre, eindrucksvolle Worte stehen dort drin!
Irgendwo erschütternd und beängstigend für mich, aber dennoch hat diese Stadt für mich einen besonderen Reiz....
Das ist Reflektionen zum jetzigen Zeitpunkt....
Gruß, I.
#stuttgartguide: Feierabend im Paul & George
vor 8 Jahren



1 Kommentar:
Ja da hast du recht..die zeit vergeht und vergeht...so schnell kann man oft nicht gucken,da ist sie schon wieder um und ich habe auch ein mulmiges gefühl be dem gedanken umzuziehen..auch wenn es anderer seits für mich presönlich ne große freude ist, enldich mal etwas mehr großstadt feeling und freiheit von eltern usw zu haben,..ich freue mich eig auch neues beim studium erforschen zu können, um vllt selbst auch später größeres erreichen zu können aus diesen gelernten wissen...und ja das mit Berlin und so das hat sicher seine vor und nachteile, aebr es muss dir ja nicht so gehen wie diese person, denn jeder ist ja auch selbst ein bisschen verantwotrtlich für einsamkeit in so einer großen stadt, wo eig viele leute leben..aber es ist wohl schwer welche näher als nur für ein hallo kennen zu lernen..aber das schaffst du schon, du bist ein super intelligentes und nettes mädchen,ne;)..GRUß
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